Letzer Abend, letzte Informationen, geschafft!

November 15th, 2010

Wusst ich’s doch, irgendwann muss das Rumalbern auch ein Ende haben und die Emotionen hochkochen, jetzt isses soweit. Die Ruhe habe ich zwar immer noch, aber ich könnte heulen vor lauter Glück. Unvorstellbar lange scheint mir die Zeit, die hinter mir liegt und nun noch ein paar Stunden, dann noch eine Nacht, Augen zu, Augen auf und ich habs endlich geschafft. Fassen kann ich es immer noch nicht, ich warte immer noch darauf, dass die mir sagen, sie hätten nur einen Scherz gemacht und ich soll jetzt heim gehen. Aber ich glaub, die tun’s wirklich, Wahnsinn. Der ganze Marathon mit Alltagstest, Gutachten, Abklärungen, all die Uni-Abteilungen, Kostengutsprache, Terminverschiebung und nun, eine lausige Nacht liegt noch zwischen dem Jetzt und der so ersehnten Erlösung.

Anästhesie
Das Gespräch mit dem Drogenbeauftragen war spannend und beruhigend, daran will ich Euch unbedingt teilhaben lassen. Das Risiko, dass man an der Narkose stirbt, ist um ein Vielfaches kleiner als dass ich auf dem Heimweg von einem Auto über den Haufen gefahren werde, sprich, es geht gegen Null. Der Mythos, dass man aufgrund falscher Narkose alles mitkriegt, ist nahezu unvorstellbar, weil man das allein schon aufgrund der Herztätigkeit bemerken würde. Zu meiner Überraschung meinte er, ich würde schon morgen Nachmittag genug da sein um kurze Telefonate führen zu können. Auf jeden Fall klingt alles einiges harmloser als ich es mir vorgestellt hab.

Chirurgie
Auch aus chirurgischer Sicht erst mal Beruhigung, die GaOp gilt zwar als schwere Operation, aber jede Eingriff in den Bauchraum wäre beispielsweise gefährlicher. Unangenehme News sind einzig, dass ich nicht 4 sondern 5 Tage nicht aus dem Bett raus darf. Das wird gegen Ende Woche sicher nervig, aber zum Glück hab ich ja den Notebook in Reichweite ;-) Ebenfalls unerfreulich ist, dass ich den Blasenkatheter 2 Wochen drin behalten muss, aber auch das ist halb so wild. Für mich wichtig sind die Risiken und auch da gabs Entwarnung. Eines der WorstCase Szenarien ist eine Verletzung des Darms, was bedeuten würde, dass ich monatelang einen künstlichen Darmausgang hätte. Hier liegt das Risiko bei etwa 1%, man darf da also guten Mutes sein. Das Thromboserisiko ist in einem ähnlichen Bereich, dass daraus jedoch eine Embolie wird, liegt unterhalb des Promillebereichs. Alles in Allem bin ich beruhigt, ich darf wirklich davon ausgehen, dass ich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine schweren Probleme bekommen werde…….. übrigens, das Foto ist kein Witz, das hat der Chirurg hingemalt, damit im Op dann klar ist, wo operiert werden soll……. irgendwie beunruhigend ;-)

Der Fahrplan für morgen
Sofern alles plangemäss läuft, sieht der Fahrplan etwa so aus:

  • 6:00 Wecken, duschen, rasieren und so
  • 6:30 krieg ich eine Schlaftablette, dann geht der Drogenrausch los
  • 7:15 werd ich in meinem Bett rausgekarrt und vor dem Op-Raum auf das Op-Bett umgelagert
  • 7:20 werd ich verkabelt
  • 7:30 wird der Cocktail aus 3 Mitteln reingelassen, ein Schlafmittel, ein Schmerzmittel und eins das lähmt, dann kommt dieses berühmte 1-2-3-und-wech und die Chirurgen legen los
  • Gegen zwölf ist die Op vorbei und ich werde noch im Op-Raum geweckt, das blöde Gesicht von mir müsste man echt fotografieren :-) dann gehts in den Aufwachraum bis ich ganz wach bin
  • ca. 14 Uhr bin ich ganz wach und werde zurück ins Zimmer gefahren, auf die Rumschieberei freu ich mich jetzt schon, muss fast so lustig sein wie die Bett-Automatik, mit der ich so gern rumspiele :-)
  • Um 14:05 schreibe ich Blogs und trink einen Irish-Coffee…… ne Quatsch, nix werd ich tun ausser blöd rumliegen, dämlich vor mich hingrinsen, glücklich sein, den Restrausch geniessen und vielleicht kurz Schatzi anrufen

Abschied von “ihm”
Nun heisst es Abschied nehmen, von meinem alten Leben und auch von “ihm”, diesem Phantom das einige von Euch kannten. Deshalb habe ich “ihm” einen Blogbeitrag gewidmet, den ich in meinem normalen Blogtagebuch veröffentlicht habe. Warum, lest Ihr am besten gleich vor Ort:
Abschied von “ihm” – Requiem für ein Phantom

Wir sind nicht allein – danke für alles!
Viele werden morgen mitfiebern und damit gebt Ihr mir mehr als Ihr denken könnt. Ich glaube, dass sich Energien bündeln und vereinen und wenn soviele Menschen in Gedanken mit mir sind, dann wird das auch viel dazu beitragen, dass alles gut kommt. Dafür möchte ich Euch von Herzen danken! Und für diejenigen, die morgen selber ganz tüdelig und hibbelig sind, auch Ihr seid nicht allein. Denn zu meiner grossen Überraschung und Freude zeigte meine Blogstatistik, dass unterdessen 123 Menschen hier in diesem GaOp-Tagebuch mitlesen. Mir laufen die Tränen runter in diesem Moment, das ist einfach zu schön, soviel Begleitung zu haben. Ich umarme Euch alle ganz doll, gemeinsam sind wir stark……… alles wird gut :-)

Das Lied “Halo” von Beyoncé ist seit zwei Jahren meine Hymne.
Mit diesem Lied begann dieser Weg, mit diesem Lied soll er enden……….

7 Responses to “Letzer Abend, letzte Informationen, geschafft!”

  1. Anika

    Liebe Diana, ich wuensch dir alles Glueck der Welt! <3 Ganz viel Kraft, wenig Schmerzen und ein schoenes Aufwachen im neuen Leben ;-)

  2. Bernadette

    Liebe Diana,

    ich hatte mal eine Akut Op im Bauchraum und hab´sie auch überlebt (Eileiterschwangerschaft und ca. 2 Liter Blut im Bauchraum), also nur Mut (den hast du allerdings sowieso schon!) das wird alles wunderbar klappen!
    Und auch wenn ich ansonsten keine Drogen nehme, war sogar irgendwie angenehm die Benebelung vom Krankenhaus man wird sehr gelassen (sogar ich Hibbelchen)!
    Meine Besucher fanden es ganz witzig (ich war über den Berg) mich mal so zu erleben ;-) .
    Noch 4,5 Stunden!
    Ich freue mich für Dich!

    Ganz liebe Grüße, Bernadette

  3. Bernadette

    Liebe Diana!

    Jetzt ist es soweit! Toi Toi Toi !
    Wir denken an dich!
    Alles wird gut!
    Vielleicht kann uns deine liebe Juliet hier Bescheid schreiben ob alles okay ist ?

    Ganz liebe Grüße an Euch Zwei!

    Patrick und Bernadette

  4. Bernadette

    Die Uhrzeit im Blog stimmt nicht ;-) .

  5. Stoeps

    Oh Mann (äh Frau – sorry! ;) Jetzt sind die ungefähr seit zwei Stunden am Schnippeln und ich kanns kaum erwarten, bis hier wieder ein Lebenszeichen von Dir auftaucht!

    Bin in Gedanken bei Dir!!!

    *daumendrück*

    Stoeps

  6. kus

    Liebe Diana, Dein Gesicht möchte ich wirklich sehen, wenn Du aufwachst und Dir so langsam bewusst wird, dass das olle Ding dort unten endlich weg ist. Muss unbeschreiblich sein.
    Guten Start in die Genesung!
    kus

  7. Anika

    Ich denke auch an dich! toi, toi, toi

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